Venedig 2020 - Eine Corona-Reise

28.6. - 2.7.2020

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Seit Monaten hält der „Corona“-Virus die Welt gefangen. Flüge finden kaum bis gar nicht statt, wir müssen Mund-Nasen-Schutz-Masken tragen, zueinander einen „Baby-Elefanten“-Abstand halten, sollen die sozialen Kontakte einschränken und uns auf diese neue Normalität einstellen.
Trotzdem wollen wir nach Venedig – oder gerade deshalb, weil derzeit kaum Touristen unterwegs sind. MNS-Masken sowie Desinfektionsmittel haben wir mit, ebenso den gesunden Hausverstand und eine große Portion Eigenverantwortung.


Sonntag, 28.6.2020

Heidi und Hubert holen mich um 7 Uhr ab und nach einigen Stopps entlang der Strecke kommen wir um 14.30 Uhr in Mestre an. Hubert parkt das Auto in der nahe gelegenen Garage und wir können unsere Zimmer beziehen. Nach einer kurzen Erholungs- und Erfrischungspause machen wir uns mit dem Bus, der praktischerweise gleich gegenüber dem Hotel „Placa Venice“ hält, auf den Weg nach Venedig.
Da die Sonne heiß vom Himmel brennt kaufe ich mir einen Sonnenhut und Heidi drückt mir statt Wasser einen Eistee aus dem Automaten. Gut gelaunt spazieren wir von der Piazzale Roma bis San Marco. Unterwegs lassen wir uns Pizza und Bier schmecken, ein kleines Eis zum Abschluss gehört auch dazu.
Wir machen gegen 19.30 Uhr eine Gondelfahrt um € 70, ein nettes Erlebnis welches aber keine Wiederholung braucht.
Zu Fuß geht es wieder zurück zum Bus und nach 12350 Schritten falle ich todmüde um 22.30 Uhr ins Bett.

Montag, 29.6.2020

Wir treffen uns um 9 Uhr zum Frühstück und da es kein Buffet gibt bestellen Kaffee, Brot, Schinken, Käse, Orangensaft, Joghurt, Obst und Croissants.
Um 10.30 Uhr sitzen wir im Bus und erwischen anschließend sofort ein schnelles Vaporetto, welches uns direkt nach Murano bringt. Die Insel der Glasbläser präsentiert sich fast menschenleer, viele Lokale und Geschäfte sind geschlossen und es ist schwierig, einen Glasbläser-Betrieb für eine Besichtigung zu finden. Es gelingt uns aber und Heidi und Hubert können sich mit der Kunst der Glasbläser vertraut machen. Ich genieße die Wartezeit inzwischen im schattigen Innenhof.
Anschließend finden wir ein nettes Lokal, wo wir Durst und Hunger stillen.
Frisch gestärkt fahren wir nach Torcello, einer kleinen Insel mit einer Handvoll Einwohnern. Wir spazieren entlang eines Kanals bis zur Kirche Santa Fosca. Eine Besichtigung scheitert am verschlossenen Tor. Wir lassen uns noch ein kühles Bier schmecken und fahren dann nach Burano, der Insel der bunten Häuser.
Der Legende nach diente die bunte Farbgebung der Häuser der Orientierung der Fischer, die bei Nebel oder nach durchzechter Nacht ihre Insel und ihr trautes Heim anhand der Farbe ausmachen konnten. Der schiefe Kirchturm grüßt schon von weitem und viele Häuser frisch gestrichen. Auch hier ist es ein bisschen gespenstisch, weil fast menschenleer. Bevor wir den Rückweg antreten stillen wir unseren Durst in einem von nur zwei offenen Lokalen.
Relativ hungrig finden wir uns um 21.30 Uhr in der Nähe unseres Hotels in einer Pizzeria ein, wo wir gut und reichlich essen und aufgrund der lästigen Gelsen auch mit Antimückenmittel versorgt werden.
Ziemlich erledigt nach 15181 Schritten liege ich um 23 Uhr im Bett.

Dienstag, 30.6.2020:

Nach dem Frühstück machen wir uns wieder auf den Weg und führt unser erster Weg zum Lido. Der Spaziergang zum Strand wird durch die Hitze und mittlerweile müden Beine vereitelt, so fahren wir nach einer ausgiebigen Trinkpause zurück und besichtigen San Giorgio Maggiore auf der gleichnamigen Insel.
Die Kirche gehört zu dem Gebäudekomplex eines Benediktinerklosters, dessen Ursprünge bis in das Jahr 982 zurückreichen. Wir fahren mit dem Aufzug auf den 75 Meter hohen Campanile und genießen den Blick auf San Marco und die anderen Inseln. Außer uns sind noch 4 Touristen hier.
Plötzlich und für uns unerwartet läuten die Glocken über unseren Köpfen. Gottseidank nur dreimal – und wir wissen, es ist 15 Uhr.
Wir verlassen San Giorgio und ich möchte meinen beiden Begleitern das berühmte und teure Caffé Florian zeigen. Es wurde am 29. Dezember 1720 unter den Arkaden der Procuratie Nuove eröffnet und bewahrt bis heute viel vom Dekor des 19. Jahrhunderts. Es ist Italiens ältestes Kaffeehaus. Leider hat es derzeit nur von Freitag bis Sonntag geöffnet.
Wir finden in der Nähe der Rialto-Brücke ein nettes Lokal namens „Bacaro Jazz“, wo wir eine Kleinigkeit essen und ein paar Goodies auf Kosten des Hauses bekommen. Das Innere des Lokales ist witzig, weil mit vielen BH’s dekoriert.
Heidi und Hubert fahren zurück nach Mestre, ich bleibe und spaziere nach Fondamente Nove. Dort genieße ich im Schatten ein Getränk und den Blick aufs Meer.
Wieder zurück im Zentrum Venedigs mache ich mich auf die Suche nach einem Restaurant. Leider sind fast alle leer und als einziger Gast – na ich weiß nicht so recht. Schließlich finde ich eine mit 3 Tischen besetzte Pizzeria und dort lasse ich mir Pizza, Bier und Rotwein schmecken.
Gestärkt mache ich mich auf den Fußweg Richtung Bus und bin müde um 22 Uhr im Hotel.
Heute zeigt der Schrittzähler 14963 Schritte.

Mittwoch, 1.7.2020

Beim Frühstück planen wir den Tag und die Beiden wollen nochmal nach Murano. Wir fahren gemeinsam zur Piazzale Roma und dort trennen sich unsere Wege. Ich fahre zur Rialto-Brücke und spaziere zum Campo Silvestre, wo ich eine Kaffee-, Wasser- und WC-Pause einlege. In dieser für mich bis dato unbekannten Ecke Venedigs komme ich mit einem Pärchen aus Heidelberg ins Plaudern. Auch heute brennt die Sonne vom Himmel und so gönne ich mir gegen 13 Uhr ein Bier um 7,50 €, bekomme allerdings dazu Chips und Nüsse sowie zahlreiche lästige Tauben.
Dann fahre ich mit dem Vaporetto zur Station Giardini, in der Hoffnung unter Bäumen ein wenig Abkühlung zu finden. Doch selbst dort ist es unerträglich heiß, und dann wird auch noch ein Teil aufgrund von Baumfällungen abgesperrt.
Also fahre ich wieder zurück zur Rialto-Brücke und suche die Bar von gestern, leider ist geschlossen. Ich überquere die Rialto-Brücke und finde in der Nähe des Fischmarktes ein kleines Lokal, wo ich mir Pasta schmecken lasse. Inzwischen ziehen immer mehr dunkle Wolken auf, welche aber an der hohen Lufttemperatur nichts ändern.
Ich spaziere zurück nach San Marco und wo ich mir einen Eiskaffee gönne, den ich gerade noch trocken genießen kann. Während es kurz, aber heftig regnet, sitze ich geschützt im Vaporetto. Bald ist der Regen vorbei und steige bei der Kirche San Stae wieder aus.
Von dort gehe ich weiter und in einer Gasse betört mich der Duft eines riesigen Jasmin Baumes. Es gibt viele Gärten in Venedig, leider sind sie meist hinter hohen Mauern verborgen.
Ich schwitze wie ein Esel, denn der Regen hat die Luftfeuchtigkeit auf gefühlte 90% ansteigen lassen. Bald darauf sitze ich im Bus und lasse mir in der Nähe vom Hotel nochmals eine Pizza schmecken.
Nach 13727 Schritten bin ich um 20 Uhr zurück im Hotel.

Donnerstag, 2.7.2020

Wir treffen uns um 7 Uhr beim Frühstück, für 8 Uhr ist die Abfahrt geplant. Diese verschiebt sich um einige Minuten, da ein heftiges Gewitter niedergeht. Der Regen hört bald auf, aber ich verschlafe einen Teil der Fahrt. Ein kurzer Stopp beim Wörthersee wird uns mangels freier Parkplätze unmöglich gemacht, also fahren wir weiter.
Um 13 Uhr fahren wir von der Autobahn ab und finden in Gundersdorf bei Stainz ein nettes Lokal. Ich entscheide mich für Eierschwammerl mit Semmelknödel, von Pizza habe ich erstmal genug.
Die restliche Fahrt verläuft problemlos und um 17 Uhr werde ich daheim abgeliefert.



Fazit:
Venedig unter diesen Bedingungen zu besuchen hatte etwas Gespenstisches und Apokalyptisches. Kaum Touristen, menschenleere Gassen, viele geschlossene Lokale und Geschäfte.
Andererseits endlich Platz und Zeit, um ausgiebig zu fotografieren und die Bauten zu bestaunen sowie eine Gondelfahrt zu leistbaren Preisen zu unternehmen.
Im Vergleich zu früheren Zeiten gab es billigere Preise, es wurde kaum Geld fürs obligate Gedeck verrechnet, es gab immer wieder Kaffee oder Limoncello auf Kosten des Hauses und viele Venezianer haben freundlich gegrüßt.

Es war eine schöne Zeit, dennoch manchmal etwas beklemmend, durch ein derart leeres Venedig zu gehen.

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